Carsten Meyer-Wer? Ein Gespräch über Politik, Kommunikation und Perspektivwechsel

Kaum eine politische Kampagne hat im Wahljahr 2019 wohl für so viel Aufsehen gesorgt, wie die Kampagne von Carsten Meyer-Heder zur Bremer Bürgerschaftswahl. Personalisiert bis in die Haarspitzen lebte die Kampagne vom gezielten Bruch mit bekannter Partei-CI. In Verbindung mit Selbstironie und einer klaren Sprache mobilisierte die Union mit Spitzenkandidat Meyer-Heder 26,7% der Bremerinnen und Bremer und wurde damit erstmalig stärkste Kraft im SPD-Stammland. Über die Kampagne, die kommunikativen Herausforderung von Parteien und die Vor- und Nachteile eines Perspektivwechsels habe ich mit Carsten Meyer-Heder gesprochen:

Der im Anschluss an den Podcast gehaltene Vortrag wurde ebenfalls mitgeschnitten. Die Aufnahme gibt’s an dieser Stelle in wenigen Tagen.

Carsten Meyer-Wer? Ein Gespräch über Politik, Kommunikation und Perspektivwechsel

Wahlwerbung ist rausgeschmissenes Geld? Fuchs vs. König im P&I Podcast zum Nachhören

Gestern waren Martin Fuchs und Jochen König zu Gast im Rahmen der Ringvorlesung. Beide sind ausgewiesene Experten was die praktische Anwendung digitaler Kommunikation im politischen Raum betrifft. Entsprechend spannend war das Aufeinandertreffen zweier (Beratungs)-Perspektiven auf die Frage nach Sinn und Unsinn politischer Werbung im digitalen Raum. Das ganze Streitgespräch gibt es hier zum Nachhören:

Vielen Dank an die beiden Diskutanten und die zahlreichen Fragen aus dem Plenum. Letztere sind nicht auf der Aufnahme hinterlegt. Feedback und Anregungen zum Thema P&I Podcast gern an Bendix(at)politicalinfluencers.de

Wahlwerbung ist rausgeschmissenes Geld? Fuchs vs. König im P&I Podcast zum Nachhören

Kurzinterview mit dem MDR

Bereits am vorvergangenen Mittwoch habe ich mit MDR Aktuell über das gute Wahlergebnis der AfD bei der thüringischen Landtagswahl gesprochen.

Dabei ging es nicht nur um Instagram in der politischen Kommunikation, sondern auch über die Frage, wie dieser Kanal auf die politische Entscheidung von Individuen wirkt. Die im Beitrag erwähnten Ergebnisse befinden sich derzeit im Review. Die zugehörige Studie wird hoffentlich noch vor Weihnachten hier verfügbar sein.

Der Mitschnitt zum Beitrag von Redakteurin Lily Meyer ist hier verfügbar:

https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/beste/audio-1211020.html

Kurzinterview mit dem MDR

Predictably irrational?

Schon länger beschäftige ich mich mit der Rolle von Charisma und äußerlichen Merkmalen in der politischen Kommunikation. Angesichts einer sich stetig professionalisierenden Selbstvermarktung von politischen Persönlichkeiten kann der buchstäblich erste Eindruck durchaus darüber entscheiden, ob ein Like gesetzt, ein Profil abonniert und in letzter Konsequenz ein Kreuz gesetzt wird.
Insbesondere hinsichtlich der Frage, wie Menschen politische Informationen konsumieren und entsprechende Entscheidungen treffen, wird Charisma so zu einer relevanten Komponente innerhalb von Kampagnen und Wahlkämpfen. Doch: wie entsteht Charisma und was macht einen Politiker beliebt?

Googled man “Politiker Ranking” finden sich zahlreiche solcher Ranglisten und Vergleichs-Skalen, auf denen abzulesen ist, wie Bürger diesen oder jenen Politiker bewerten. Nur: Woran machen sich entsprechende Bewertungen eigentlich fest? Wie kann jemand ohne tiefere Kenntnis über die tatsächlich geleistete Arbeit in einem Ressort urteilen? Welche Rolle spielen dabei äußere Umstände wie Tonalität in den Medien, Selbstvermarktung und eben Charisma?

Der sog. Anker-Effekt (Kahneman/Tversky 1974) besagt, dass sich Menschen zur Beantwortung von numerischen Fragen (“Wie groß ist die Fläche des Bundeslandes Hessen?”) an willkürlich gesetzten Vergleichswerten orientieren. In einer vielbeachteten Studie übertrug der US-amerikanisch-israelische Verhaltensökonom Dan Ariely diese Heuristik auf Preisbildung. Was, wenn nicht Angebot und Nachfrage, sondern ein willkürlich gesetzter Anker-Wert die Zahlungsbereitschaft von Individuen beeinflusste? In einem entsprechend konzipierten Experiment zeigte sich, dass nicht etwa der “tatsächliche” Wert eines Gutes den Preis bestimmte, sondern ein im Vorfeld willkürlich gesetzter Anker-Wert. In diesem Fall: Die letzten 2 Ziffern der Sozialversicherungsnummer der Probanden.

“This, then, is what we call arbitrary coherence. Initial prices are largely ‘arbitrary’ and can be influenced by responses to random questions; but once those prices are established in our minds, they shape not only what we are willing to pay for an item, but also how much we are willing to pay for related products (this makes them coherent.)” (Ariely 2010, 32)

Die Frage, die sich hier nun stellt, ist folgende: Lässt sich dieser Effekt auch auf die Bewertung von Politikern übertragen? Würden sich Probanden bei der Bewertung von (vermeintlichen) Politikern von einem willkürlich gesetzten Anker-Wert leiten lassen? Dies galt es in einem kurzen Experiment im Rahmen der Ringvorlesung am vergangenen Mittwoch herauszufinden.
Der Versuchsaufbau glich dabei dem von Dan Ariely. Die Probanden wurden gebeten, auf einem dafür vorgesehenen Zettel die letzten 2 Ziffern ihrer Kontonummer einzutragen. Im Anschluss habe ich Portrait-Aufnahmen von 4 Menschen gezeigt (siehe oben im Beitrag), und diese als Lokalpolitiker ausgewiesen. Die Probanden sollten dann auf einer Skala von 0 – 99 die Personen in den folgenden Kategorien bewerten:

– Kompetenz
– Charisma
– Nahbarkeit
– Zuverlässigkeit
– Anziehungskraft / allg. Wirkung

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Ergebnisse. Zu sehen sind die durchschnittlichen Bewertungen der jeweiligen Personen über die abgefragten Eigenschaften, gruppiert nach höhe der Anker-Werte. Die Spalte “p-value” gibt an, ob es sich hinsichtlich der Bewertung der jeweiligen Person um einen statistisch signifikanten Zusammenhang handelt. Das ist hier eindeutig nicht der Fall. Von einem hierfür notwendigen P-Wert von 0.05 o.Ä. sind sämtliche Modelle – auch heruntergebrochen auf einzelne Dimensionen – meilenweit weg. Ein Anker-Effekt auf die Bewertung von Personen konnte nicht nachgewiesen werden.
Interessant wäre es nun, herauszufinden ob Berichterstattung/Medienspin als Anker-Wert einen anderen Effekt erzielen würde. Anders als im sehr lesenswerten Buch von Dan Ariely verhielten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer der Ringvorlesung erstmal nicht predictably irrational und das ist ja auch schon mal etwas.

N=1040-1920-3940-5960-7980-99p-value
Person 166,4367,2257,9260,3568,520,582
Person 267,9164,2356,8761,3862,630,437
Person 359,5858,4847,5553,4758,730,736
Person 462,758,3354,8960,7859,760,766
Predictably irrational?

Zu Gast bei Fakt Ist! im MDR

Spannende Diskussion gestern Abend live im MDR-Fernsehen zu Rolle und Einfluss von sozialen Medien auf Wahlentscheidungen. Leider etwas knapp in der Zeit, einen mir wichtigen Punkt konnte ich jedoch machen:

Soziale Medien sind ein Mobilisierungs-Hebel in Kampagnen. Damit dieser auch funktioniert, müssen (!) Parteien und Politiker ihre Kommunikation mit besseren Ressourcen ausstatten. Nicht (nur) Geld, sondern vor allem Zeit.

Zeit dafür, insbesondere zwischen zwei Wahlterminen mit Sorgfalt eine Community aufzubauen, auf die im Wahlkampf dann zurück gegriffen werden kann. Ein überhasteter Sturm auf dieses oder jenes Medium kurz vor der Wahl ist ineffizient und schadet mehr als dass es nützt. (Ab Minute 47:00)

Die ganze Sendung ist hier in der Mediathek zu sehen: https://lnkd.in/d3yv93K

Zu Gast bei Fakt Ist! im MDR

What If We Are All Just Trained Monkeys? Ringvorlesung #PolKommHH

Die Debatte über die Rolle digitaler Kanäle zur Vermittlung von Politik reißt auch im Jahr 2019 nicht ab. Nicht erst seit der Kontroverse um das so genannte Rezo-Video ist sichtbar, wie sehr Parteien und Institutionen unter Druck stehen. Sei es im Ringen um den richtigen Ton, die Auswahl passender Formate oder ganz grundsätzlich über den Zugang zu unterschiedlichen Zielgruppen und Wählerschichten. Die oftmals beklagte Ratlosigkeit politischer Akteure ist dabei Ausdruck einer gesellschaftlichen Veränderung. Angesichts einer sich immer weiter fragmentierenden Öffentlichkeit stellen sich dabei grundsätzliche Fragen darüber, wie Meinung entsteht, gemacht und rezipiert wird. Klar ist: Der Medienwandel und die damit einhergehenden technologischen Veränderungen, fordert die Politik. Etablierte Spielregeln für die Vermittlung von Politik verändern sich von Grund auf.

Wie gelingt ein digitaler Bürgerdialog auf Augenhöhe? Wie verändert sich das Debatten- und Meinungsklima unter Einfluss algorithmisierter Öffentlichkeit? Und wie entsteht unter Einfluss der oben genannten Faktoren eine politische Präferenz?

Diesen und weiteren Fragen geht die zweiten Auflage unser Ringvorlesung nach. Gemeinsam mit Gästen aus Wissenschaft, Praxis und Politik werfen wir ein Schlaglicht auf den Status Quo der politischen Kommunikation in Deutschland. Die Auswahl der diesjährigen ReferentInnen verspricht dabei neben sieben abwechslungsreichen Vorträgen vor allem Eines: Debattenfreude.

Den Auftakt leistet am 23.10. Carline Mohr, die seit Anfang des Jahres den SPD Newsroom im Willy-Brandt-Haus verantwortet. Das Newsroom-Konzept als Plattform zur Schaffung parteinaher Inhalte ist dabei nicht unumstritten. Umso interessanter also der Ausblick auf Carline’s Erfahrung aus der Praxis.

Am 30.10. begrüßen wir darauf hin Prof. Dr. Katharina Kleinen- von Köngislöw und Mareike Wieland. Beide Forscherinnen sind an der Universität Hamburg tätig und arbeiten zu Medienwirkung und Online-Nachrichtenkonsum. Ihr Vortrag zum Auswahlverhalten von Rezipienten unter Einfluss eines latenten Überangebots wird Aufschluss darüber geben, wie Menschen Nachrichten konsumieren und was dies für die Vermittlung von Politik bedeutet.

Am 6.11. präsentiere ich dann die ersten Ergebnisse aus meiner aktuellen Laborstudie. Es geht um die Frage, ob und wenn ja, wie durch digitale Kommunikation Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse gewonnen werden kann. Dazu bediene ich mich Argumenten aus der Neurologie und Suchtforschung um am Beispiel von Instagram zu zeigen, wie sich die Darreichungsform des politischen Inhalts auf die individuelle Bewertung auswirkt. Da bis heute ungeklärt ist, ob digitale Kommunikation und entsprechendes Targeting überhaupt eine Verhaltensänderung auf individueller Ebene hervorrufen kann, können die Erkenntnisse einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte leisten.


Am 13.11. findet keine Veranstaltung statt. Weiter geht es dann am 20.11. mit einem Streitgespräch über Anspruch und Wirklichkeit digitaler Wahlwerbung. Auf dem Podium begrüße ich Martin Fuchs, Politikberater und Blogger sowie Jochen König der auf digitale Methoden spezialisierten Politikberatung Cosmonauts & Kings. Die beiden Experten bringen Impulse aus der Praxis mit nach Hamburg und haben eine lebhafte Diskussion angekündigt.

Am 27.11. bleibt die Veranstaltung in der Praxis: Aus Bremen begrüßen wir den Landesvorsitzenden der CDU Bremen und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft Carsten Meyer-Heder. Als Quereinsteiger gelang Carsten Meyer-Heder nicht nur ein historisch gutes Wahlergebnis im SPD-Stammland Bremen. Meyer-Heders Kampagne löste sich vielmehr in Optik und Ansprache weit von der Mutterpartei und sorgte mit unkonventionellen Ansätzen für Aufmerksamkeit und Mobilisierung. Über die Entwicklung der Kampagne und deren Beitrag zum Wahlergebnis spricht Carsten Meyer-Heder.

Dass Kampagnen längst nicht nut die eigene Wählerschaft mobilisieren sollen, sondern dabei auch in Kommunikationsräume politisch unentschlossener Vorstoßen, ist kein Geheimnis. Doch wie steht es um die dabei viel beschworenen “Echokammern” und “Filterblasen”? Diese und weitere Fragen zu Social Media Nutzung beantwortet Lisa Merten vom Hans-Bredow-Institut in ihrem Vortrag am 04.12.

Zum Abschluss spricht Simon Kruschinski am 11.12. über seine aktuelle Forschung zum Einsatz und Wirkung von Facebook-Targeting. Von Simons’ Datensatz und Kenntnis der Materie konnten wir uns bereits im vergangenen Jahr einen Eindruck machen. Umso mehr freuen wir uns, dass Simon erneut dabei ist und über die Rolle von Facebook-Targeting im hessischen Landtagswahlkampf 2018 spricht.

Die Ringvorlesung beginnt am Mittwoch den 23.10.2019 um 18:15 an der Universität Hamburg (Von-Melle-Park 9, Hörsaal Erdgeschoss). Gäste sind herzlich willkommen. Ein Livestream ist stand aktueller Planung nicht vorgesehen.
Anbei das Programm:

What If We Are All Just Trained Monkeys? Ringvorlesung #PolKommHH

Political Influencers? Instagram Case-Study Bundestagswahl 2017

Meine Studie zur Instagramnutzung von SpitzenpolitikerInnen ist Anfang des Jahres im Sammelband “Facetten Politischer Kommunikation” erschienen. Meinen Beitrag nun hier zu Download.

Political Influencers? Instagram Case-Study Bundestagswahl 2017